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Winterpflaumenblüten vor schwarzen Hintergrund

Faszination Lack – Kunst aus Asien und Europa

Eine Ausstellung im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster (4.4. – 27.7.25)

Lack ist superstark! Er schützt vor Wasser, Hitze und sogar Säure. Aber Vorsicht: Diesen tollen Schutz bietet Lack erst, wenn er getrocknet ist. Bis dahin ist er hochgiftig und löst Allergien aus. 
Die Chinesen entdeckten schon vor langer Zeit, wie nützlich Lack ist. Aufgrund seiner tollen Eigenschaften hat es aber nicht lange gedauert, bis dieses Wundermittel auf der ganzen Welt nachgemacht wurde. Da es nicht einfach ist echten Lack herzustellen, ist er bis heute sehr wertvoll.

"Lack ist die Haut der Zeit." (Chinesisches Sprichwort)

Kapitel 1: Tradition trifft Moderne Schutz und Schönheit

Seit 6000 Jahren fasziniert Lack mit glänzender Tiefe und Beständigkeit. Ursprünglich in China aus Lackbaum-Harz gewonnen, suchte man ab dem 16. Jahrhundert weltweit nach Alternativen wie Bernstein. Heute sind viele Schutzlacke künstlich und industriell gefertigt.

Für immer und ewig

Dieser Weinbecher, entstanden zwischen 270–220 v. Chr., zählt zu den ältesten Lackkunstwerken.
Er wurde in diesem Jahrhundert bei Ausgrabungen von Grabanlagen im Osten Chinas gefunden. Damalig diente er als Grabbeigabe, ebenso ermöglichte sein abnehmbarer Deckel die Nutzung als Speise- und Trinkgefäß. Dank der Langlebigkeit und Beständigkeit der lackbeschichteten Oberfläche sind die damalig aufwendig gemalten Motive noch heute zu erkennen. 

Leuchtendes Rot und tiefes Schwarz – gemalter Lack ist die älteste und zugleich schlichteste einfachste Technik der chinesischen Lackkunst. Sie erfordert dennoch höchste Präzision und Ausdauer, denn jede Schicht muss sorgfältig trocknen, bevor die nächste aufgetragen werden kann. Das Ergebnis: eine zeitlose Eleganz mit faszinierender Farbtiefe. Kannst du dir vorstellen, mit so viel Geduld zu arbeiten?

Geschwungene Struktur eines Trockenlackobjekts

„Lack glänzt und fließt, um zuletzt hart wie Stein zu werden. Lack kann dabei farblos sein, glasklar, wasserhell über gelb, goldfarben, braun bis zum tiefsten Schwarz, wie der japanische Rhuslack von Natur aus ohne chemische Beihilfe beschaffen ist.“ (Oskar Schlemmer)

Die Kunst der Lackproduktion

Kapitel 2: Farben und Symbole Glanz, der glücklich macht

Vor allem bis zur industriellen Herstellung entfachte die Lackkunst eine weltweite Leidenschaft: Einerseits geschätzt für seinen seinen schützenden und konservierenden Charakter, andererseits begehrt als Luxusgut – sein aufwendiger Herstellungsprozess und kunstvoller Dekor machten ihn zum Statussymbol über Kontinente hinweg.

Farbenpracht: Rot und Schwarz sind alle meine Lacke

Seit Jahrtausenden prägen Rot und Schwarz die asiatische Lackkunst. Sie werden bis heute im Rahmen von offiziellen Feierlichkeiten genutzt. Über die Jahrhunderte kamen Braun, Grün, Gelb und ab dem 2. Jahrhundert Gold und Silber hinzu. Doch bis ins 19. Jahrhundert blieb die Farbpalette begrenzt: Nur wenige Pigmente widerstanden der ätzenden Natur des Lackharzes, das andere Farben zersetzen konnte. Was inspiriert dich mehr – das kräftige Rot oder das elegante Schwarz? 

Abhängig von der Jahreszeit und dem Wetter, kann der rote Lack in in seiner Helligkeit variieren: Während im Winter zum Einfärben des Naturlacks neben Zinnober noch Blätter des roten T‘ung-Baums benutzt wurden, erhielt man zu dieser Jahreszeit ein dunkles Rot. Im Frühling und Herbst wird ein helleres Rot gewonnen. Im vierten, fünften und siebten Monat des Jahres erhält man hingegen ein sehr farbintensives glänzendes Zinnoberrot Mit Zinnober lackierte Lackobjekte zählten zu den wertvollsten, da der Zinnober extra aus China importiert werden musste. Heute lässt sich das ursprünglich natürliche Mineral auch synthetisch herstellen.

Anfänglich wurde die schwarze Lackfarbe mit Ruß hergestellt. Aufgrund der daraus resultierenden rauen Lackbeschichtung, wurde Lack ab dem 19. Jahrhundert bis heute stattdessen mit Eisenpartikeln gemischt, deren Reaktion mit Lack die Farbe Schwarz erzeugt.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Symbole spielen in der chinesischen Kultur bis heute eine große Rolle: Im gesellschaftlichen Miteinander werden Worte oftmals als zu primitiv angesehen werden, wohingegen ein Symbol einen sehr viel komplexeren Zusammenhang ausdrücken kann. Somit ist es auch heute nicht unüblich, dass insbesondere zu feierlichen Anlässe auf die bildhafte Sprache der Symbole zurückgegriffen wird: Als typisches Hochzeitsmotiv werden der Drache und der Phönix dargestellt, die zusammen Glück und Harmonie symbolisieren. Dabei werden sie unter anderem von Wolken umrahmt, die für die Erfüllung aller Wünsche stehen.

Die Winterpflaume

Das hier zu sehende Glückssymbol der Winterpflaume stammt von einem Lacktablett aus dem 15. Jahrhundert, das mit Perlmutt beschlagen wurde. Die fünf Blütenblätter stehen dabei für die fünf Glücksgüter: Langlebigkeit, Reichtum, Gesundheit, Liebe zur Tugend und friedlicher Tod.

Winterpflaumenblüten vor schwarzem Hintergrund

Shine and smile

Findest du bei der Winterpflaume Gesichter? Zoom mal rein. So richtig glücklich wirken die Knautschgesichter nicht. Welches ist dein Emoji, wenn du Glück wünschst?

Grüne Fledermaus vor schwarzem Hintergrund.

„May you have happiness right before you."

Ein Schrank voll Glück

Mit Glückssymbolen verziert, bewahrte dieser Kabinettschrank im späten 16. Jahrhundert rund 3.500 Münzen auf. Obwohl er in Europa  hergestellt wurde, entspricht er dem Niveau asiatischer Lackobjekten – ein Meisterwerk von Gérald Dagly, dem führenden Lackkünstler seiner Zeit. König Friedrich I. beauftragte ihn, die kaiserliche Münzsammlung stilvoll zu präsentieren. Solche Lackarbeiten dienten nicht nur der Aufbewahrung, sondern auch als Zeichen von Macht und Luxus.

Kapitel 3: Techniken Feinschliff für die Zukunft

Über Jahrhunderte entwickelte die Lackkunst eine Vielfalt an Ziertechniken. Während jeder Kulturraum eigene Stile prägte, gab es einen stetigen Austausch – dieser inspirierte, beeinflusste und verfeinerte die Techniken.

Tiefgehende Lackkunst

Der Schnitzlack gilt als Meisterwerk chinesischer Lackkunst – anspruchsvoll in Technik, eindrucksvoll im Ergebnis. Seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. bekannt, erreichte er im 14. und 15. Jahrhundert seine Blütezeit. Schicht um Schicht wird der Lack aufgetragen, jede muss 48 bis 72 Stunden trocknen. Erst nach Monaten beginnt der entscheidende Moment: Mit feinen Messern oder schräg geführten Nadeln wird die Oberfläche beschnitzt.

Der Schnitt offenbart die verborgen liegenden Farben – zunächst ein Wechsel von Rot und Schwarz, später auch Ocker und Grün. So entstehen filigrane Reliefs, deren Tiefe aus der Präzision des Handwerks erwächst. Eine schmale schwarze Lacklinie, nur einen Millimeter über dem Grund, bewahrt den Künstler vor einem zu tiefen Schnitt.

Des Kaisers neue Lacke

Schnitzlackarbeiten wurden aufgrund ihrer präzisen und im Detail darstellbaren Motiven vor allem an kaiserlichen Werkstätten gefördert. Die Objekte dienten dabei als didaktisches Mittel. Der Kaiser verfolgte das strategische Ziel, den Menschen den wirtschaftlichen Wohlstand unter seiner Herrschaft zu demonstrieren.

Detailaufnahme des geschwungenen roten Schnitzlackes.

Geduld, Geduld

Aufgrund der insgesamt sehr langen Trocknungszeit der verschiedenen Schichten, konnten die jeweiligen Objekte nicht immer  innerhalb einer Herrschaftsperiode fertiggestellt werden. Die Herstellung überdauerte manchmal mehrere Jahre.

Was schätzt du?

Aus wie vielen Schichten besteht wohl dieses Schnitzlackwerk?
a) Aus weniger als 20 Schichten
b) Aus 50 Schichten
c) Aus über 100 Schichten

Es sind über 100 Lackschichten, die für dieses Schnitzlackwerk aufgetragen wurden!

Schimmernde Tradition

Gold- und Silberpartikel scheinen auf der glänzenden Lackoberfläche zu schweben. In Wirklichkeit folgen sie einer jahrhundertalten Technik: dem Streubild. Seit dem 8. Jahrhundert in Japan nachweisbar, wird bei dieser Methode feinstes Metallpulver mit großer Präzision auf den noch feuchten Lack gestreut. Durch ein Röhrchen verteilt, sinken die Partikel in das Muster ein und verbinden sich dauerhaft mit der Oberfläche.

Die Kunst der Lackintarsie hingegen, bei der schimmernde Perlmuttstücke in den Lack eingelegt werden, prägt bis heute die Lacktradition Koreas. Auch sie blickt auf eine mehr als tausendjährige Geschichte zurück. Das Aufkleben von zugeschnittenen Perlmuttteilen mithilfe von Fischleim gilt als gängige Methode. Die kunstvoll arrangierten Perlmuttstücke erzeugen faszinierende Lichteffekte und verleihen den Lackobjekten Eleganz.

Ranken aus Perlmutt-Einlagen auf schwarzem Lack.

Das Aufkleben von zugeschnittenen Perlmuttteilen mithilfe von Fischleim gilt als gängige Methode. Die kunstvoll arrangierten Perlmuttstücke erzeugen faszinierende Lichteffekte und verleihen den Lackobjekten Eleganz.

Japanische Süßigkeiten-Dose mit Herbstblättern aus Goldstreulack auf schwarzem Grund.

Goldstreulack aus Japan

Gold- und Silberpartikel scheinen auf der glänzenden Lackoberfläche zu schweben. In Wirklichkeit folgen sie einer jahrhundertealten Technik: dem Streubild.

Detailansicht von Herbstblättern aus Goldstreulack.

Seit dem 8. Jahrhundert in Japan nachweisbar, wird bei dieser Methode feinstes Metallpulver mit großer Präzision auf den noch feuchten Lack gestreut. Durch ein Röhrchen verteilt, sinken die Partikel in das Muster ein und verbinden sich mit der Oberfläche.

Perlmuttintarsien zeigen Ranken auf schwarzem Grund.

Perlmutt-Intarsien aus Korea

Die Kunst der Lackintarsie hingegen, bei der schimmernde Perlmuttstücke in den Lack eingelegt werden, prägt bis heute die Lacktradition Koreas. Auch sie blickt auf eine mehr als tausendjährige Geschichte zurück.

Kapitel 4: Miniaturmeisterwerk Inrō Das Inrō – ein kunstvoller Siegelkorb

Mit einem Brustbeutel vergleichbar trug ein Japaner traditionell einen kleinen „Siegelkorb“ mit sich: ein Inrō. Man brauchte diesen kleinen Behälter im 16. Jahrhundert, da die damalige japanische Kleidung keine Taschen hatte.

Weggefährten mit Stil

Das Inrō  befestigten die Menschen ganz praktisch an ihren Gürteln, um das Wichtigste darin zu verstauen. Nicht nur Siegel, sondern auch andere kleine Dinge des alltäglichen Bedarfs waren so stets griffbereit. Manchmal wurden Inrōs sogar leer als Accessoires getragen! Besonders im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert lagen sie völlig im Trend. Die kleinen Siegelkörbe waren nicht zuletzt ein Statussymbol und aufwändig mit Abbildungen von Landschaften, Tieren, Pflanzen und Mythen dekoriert.

Ein Inrō bestand aus einem Kästchen, einer Seidenschnur, einer kleinen Kugel, mit der die Schnur straff gezogen werden konnte, und einem Gegengewicht, das am oberen Ende des Gürtels befestigt wurde.

Funktion und Form im Wandel der Zeit

Alle persönlichen Botschaften und geschäftlichen Angelegenheiten mussten einst ein persönliches Siegel tragen. Da das Inrō häufig Siegel und Siegelpaste aufbewahrte, trugen es meist Männer als die damaligen Entscheidungsträger. Auch heute werden in einigen Ländern Ostasiens noch Siegel verwendet. Sie gelten als bedeutungsvoller als die handschriftliche Unterschrift. Im späten 19. Jahrhundert kamen schließlich Anzüge auch in Japan in Mode. Das nicht mehr gebrauchte Inrō erfreut seitdem weltweit Sammler:innen.

Kapitel 5: Exportlacke Lack verzaubert die Welt

Lackbäume sowie kostbare Lackobjekte gab es erstmal nur in Japan, Korea und China.

Doch nach und nach breitete sich die Faszination dafür weltweit aus. Die Kostbarkeiten waren so gefragt, dass Europäer versuchten auch Lack zu produzieren.

Das ging aber erstmal gründlich schief.

Spielende Kinder vor schwarzem Grund

„Nicht, daß es nur stark und haltbar ist, aber entzückend und dekorativ über die Maßen...“ (Sir John Stalker)

Von Asien nach Europa

Mit der Ankunft portugiesischer Seefahrender in Japan des späten 16. Jahrhunderts begann die Zeit sogenannter „Exportlacke“. Diese waren nie für den Verkauf in Japan vorgesehen und wichen in Gestaltung und Qualität von den inländischen Produkten ab.

In Europa waren diese ostasiatischen Lackwerke als Luxusgüter mit geheimnisvoll anmutender Eleganz heiß begehrt. Die wachsende Nachfrage zu decken war schwierig. Auch in Europa sollte deshalb Lack hergestellt werden!

Die Europäer mussten jedoch feststellen, dass aufgrund des Klimas daheim keine Lackbäume gedeihen konnten. Somit entwickelten sie eigene Rezepte für Lack. Und das klappte!

Auch wenn es sich dabei immer noch nicht um die originale Lackrezeptur aus Asien handelte, konnte ein sehr ähnliches Material zum Beispiel aus Schellack oder Bernstein hergestellt werden.

Maskenspiel und Monarchie

Die linke Wandplakette zeigt einen Kabuki-Schauspieler in voller Pracht: dramatische Schminke und kunstvolles Kostüm. Die feine Malerei fängt den Geist des traditionellen japanischen Theaters ein – Ausdruck und Geschichte in einem Kunstwerk.

Formeller ist Friedrich II. im Halbprofil festgehalten. Der Goldgrund betont seine royale Präsenz. Als preußischer König prägte er im Sinne des Aufgeklärten Absolutismus die Geschichte.

Johann Karl Ulrich Bähr: Jan van Leiden bei der Taufe eines Mädchens. 1840, LWL-Museum für Kunst und Kultur

Bühnenreife Erzählung

Dramatisches Licht betont den selbsternannten „König“ Jan van Leiden, während er mit großer Geste ein Mädchen tauft – ein Moment der Machtinszenierung. Das Motiv der Schnupftabakdose bezieht sich auf ein Gemälde Johann Karl Ulrich Baehrs von 1840 aus der Museumssammlung.

Münster und die Täufer

1534 übernahmen Täufer Münster, getrieben von apokalyptischen Erwartungen und Reformideen. Sie verwarfen die Kindertaufe und predigten die baldige Wiederkunft Christi. Jan von Leiden, ihr charismatischer Anführer, ließ Geld abschaffen, Eigentum teilen und eine polygame Gemeinschaft etablieren.

Doch Hunger und Widerstand wuchsen. Nach monatelanger Belagerung wurden die Täufer besiegt, ihre Anführer hingerichtet – ihre Käfige hängen noch heute am Lambertikirchturm.

Bunte französische Nadeletuis nebeneinander montiert.

Bijoux: Galanteriewaren im japanischen Stil

Im Europa des 17. und 18. Jahrhunderts entstanden die ersten Werkstätten, die kunstvoll lackierte Objekte fertigten.
In Frankreich waren nicht nur Möbelstücke, sondern auch kleine Kästchen und andere Behältnisse in der „façon de Japon“, also im Stil japanischer Lackarbeiten, höchst gefragt.

Neben Behälter für Schnupftabak oder Süßigkeiten wurden auch Nadeletuis mit Landschaften und Szenen nach japanischem Vorbild angefertigt. In den Etuis bewahrten Französinnen sowohl Näh- als auch Haarnadeln auf.

Innovationen und neue Stile

Obwohl Russland eine Grenze zu China teilt, erreichten ostasiatisch inspirierte Lackobjekte das Land erst über europäische Imitationen. Peter der Große entdeckte sie auf seinen Reisen – fasziniert von ihrem Glanz. In den 1830er Jahren entwickelte sich ein eigener russischer Stil. Besonders prägend war der Zirowska-Dekor: Pjotr Lukutin ritzte feine Linien in Schwarzlack, überzog sie mit goldfarbenem Klarlack und schuf so eine schimmernde Goldgravur. Sein Sohn Aleksandr verfeinerte die Technik zum kunstvollen Schotlandka-Verfahren, das mit gravierten, farbgefüllten Karomustern beeindruckte.

Kapitel 6: Zeitgenössische Lackkunst Von der Vergangenheit in die Gegenwart

Mehrere tausend Jahre nach seiner Entdeckung hat der Lack nichts von seiner Anziehungskraft verloren. Von den Ursprüngen bis heute, von Ostasien in die weite Welt –die Reise geht weiter. Zeitgenössische Lackkünstler:innen erhalten die aufwändige Tradition der Lackherstellung und -verarbeitung am Leben.

Swaying Vessel 17

In Schwarzlack gefasst, zieren „Swaying Vessel 17“ von Ken Noguchi (*1982 in Osaka, Japan) schwungvolle Kreis- und Spiralmuster. Sie entstehen durch die sogenannte Trockenlacktechnik (Kanshitsu): Aus mit Lack bestrichenem und anschließend getrocknetem Stoff werden Skulpturen frei geformt. Diese 2019 entstandene Arbeit überreichte der ehemalige Freundeskreis des Museums für Lackkunst dem LWL-Museum für Kunst und Kultur im November 2024 als Geschenk.

Mann erntet einen Lackbaum.

Ein Lackkünstler in Deutschland

1987 erhielt der deutsche Lackkünstler Heri Gahbler als erster Nicht-Japaner die Chance, eine Ausbildung am Institut für urushi-Kunst in Wajima, Japan, anzutreten. Hier erlernte er klassische Lacktechniken und wurde stark von der japanischen Lacktradition und Kultur geprägt.

Nach Abschluss seines Studiums brachte Gahbler aus Japan ein ganz besonderes Andenken mit: den Setzling eines Lackbaums, aus dem sich mittlerweile in der Nähe von Köln eine kleine Plantage entwickelt hat.

Wasser, Feuer, Luft und Erde in Lackform

Wie auch Ken Noguchis „Swaying Vessel 17“ sind Gahblers „Die Vier Elemente“ mittels der kanshitsu-Technik gefertigt. Die vier gleichförmigen Schalen verbergen unter zahlreichen Lackschichten einen Kern aus Leinengewebe und repräsentieren die Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft in Lackform. Woran könnt ihr sie erkennen?

Perlmuttplättchen werden in Form gesägt.
Perlmuttplättchen werden in Schwarzlack eingelegt.

„Der Studienaufenthalt in Japan war ohne Frage faszinierend. Er verdeutlicht mir die starke Bindung an die hiesige Kultur. Statt in Deutschland japanische Lackarbeiten anfertigen zu wollen, sah ich mich darin bestärkt, den eigenen Wurzeln zu vertrauen.“ (Heri Gahbler)

Ranken und Vogel auf schwarzem Grund.

Das Überdauern der Schönheit

Lackkunst verkörpert Resilienz, Kostbarkeit und Hingabe – sichtbar in jeder feinen Schicht, spürbar im aufwendigen Herstellungsprozess. Als jahrtausendealtes Handwerk bewahrt sie Tradition und Handwerkskunst, während sie sich stets neu erfindet.